ERWACHSEN

 

oder

 

IT'S JUST TRANSFORMATION

 

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der Text zur Performance

des Lichtspielensembles

 

vom 28.11.2014

im Shambhala

Wien

 

 

 

In der Grube

 

Das Kind ist in die Grube gefallen

dort sitzt es und weint

wie soll es jemals wieder hier herauskommen

 

Das kleine Kind weint.

Das kleine Kind weiß

alles was es tun muss ist wachsen.

 

Durch das Loch der Grube scheint das Licht des Himmels in die Erde.

Das kleine Kind sitzt und weint und ist voller Vertrauen in das Leben.

Denn Licht strömt ein. Es weiß, es ist nicht verloren.

Es ist nur in die Grube gefallen.

 

Und alles was es tun muss, ist sich seinem Wachstum hinzugeben, nicht im Weg zu stehen bei der Entfaltung seiner wahren Größe und im Vertrauen des Lichts zu bleiben.

 

In der Grube das Wechselspiel von

Licht und Schatten

Wärme und Kälte

Tag und Nacht

Leben und Tod

 

und alles bedingt sich gegenseitig

alles ist abhängig voneinander

ohne Schatten kein Licht

ohne Leben keinen Tod

ohne Himmel keine Erde ?

 

 alles steht in Abhängigkeit zueinander und geht in verschiedene Richtungen

 

 Freude & Sehnsucht & tiefe Traurigkeit

getrennt von der Welt in der Erde sitzend

 

 

Die duale Ebene

 

es gibt mich und es gibt anderes

und alles ist im stetigen Wandel

im konstanten sterben und geboren werden

 

es gibt mich und es gibt anderes

und das was weh tut, hab ich abgeschnitten, ausgeblendet

habe mich von der Kraft getrennt, die in mir und außerhalb von mir wohnt

ich hab sie abgeschnitten, weil es so sehr weh tat

und ignoriere den Phantomschmerz

 

ich hab dich abgeschnitten, weil du mir weh getan hast

eine radikale Beschneidung

ich trenne mich, weil es weh tut

aber was ist´s, das weh tut ?

 

Ich bin in die Grube gefallen

weil ich Sehnsucht hatte nach Freiheit

Freiheit ist Unabhängigkeit

also schnitt ich alle Fäden durch

und fiel …

 ... in die Grube

 

 

Das duale Spiel

sind die Dramen des Lebens

ist das Ping Pong der Gedanken und Gefühle

im dualen Spiel

hat der Mensch sich scheinbar vom Licht, von sich selbst, vom innersten Kern getrennt, um das Spiel voll auszukosten

in Freud und Leid zu versinken

so auf sich selbst und das Theater seines Lebens fokussiert,

dass er das große Ganze einfach vergessen hat

mehr und immer mehr abgeschnitten, um sich zu befreien

und sich so seiner Kraft, seiner Vielfalt, seiner Fülle, seiner Schönheit beraubt

 

Und auf der ganzen Erde schwindet die Vielfalt, sterben Arten aus, verblasst die Schönheit, weil wir die Konsequenzen der vermeintlichen Freiheit, der Sehsucht in der Grube, durch Fressen stillen wollen.

 

 

Eine Schöpfungsgeschichte

 

Das kleine Kind in der Grube weint.

Das kleine Kind in der Grube erinnert sich

an die Geschichte von Großvater Sonne und Großmutter Mondin

 

Großvater Sonne und Großmutter Mondin waren nicht schon immer Großmutter und Großvater.

Sie waren EINS.

EINS mit sich und allen anderen Planeten

EINS mit allen Monden und allen Sonnen

EINS mit allen Galaxien

EINS mit allem Leben

und in diesem EINEN Samenkorn

in diesem EINEN, ohne Raum und Zeit

war das alles schon enthalten

das ganze Universum

 

versuche nicht das mit deinem Gehirn zu verstehen, das kann es nicht

nur dein Herz vermag sich so sehr zu weitern

 

EINS

 

Das EINE begann außerhalb des Raumes und außerhalb der Zeit

obwohl es alle Räume und alle Zeiten selbst umfasste

zu vibrieren.

Ein ganz leises, hochfrequentes vibrieren.

Für unsere Ohre nicht hörbar

doch unsere Herz vermag es zu spüren.

 

Aus dieser Vibration, die selbst schon ein Ausdruck an sich war

entstand ein Wunsch. Der Wunsch nach stärkerer Vibration, der Wunsch nach Bewegung, Reibung, der Wunsch nach Erfahrung, Zersteuung.

 

Und aus dieser Vibration heraus zündete der göttliche Funke gleich einer gigantischen Sternschnuppe.

Die herrlichsten Klänge ertönten

Licht fächerte sich auf in alle Farbspektren

Der Tanz des Universums begann.

Die Geburtsstunde der Geburt.

Die Urmutter gebar Raum und Zeit.

Die Urmutter gebar das Leben.

Die goldene Nabelschnur zwischen ihr und allen Wesen,

dieser goldene kostbare Faden wurde niemals getrennt

das EINS niemals aufgehoben.

 

Großvater Sonne und Großmutter Mondin erinnern uns an das EINSEIN

zeigen uns mit ihren Strahlen, die goldenen Nabelschnüre

die das ganze Universum, alles Leben, verbinden.

 

Es gibt mich und es gibt anderes

und wir haben es bis heute nicht geschafft im Frieden miteinander zu leben.

Menschen, Paare, Familien, Völker, Länder, Kontinente bekriegen sich

und den Krieg in mir drinnen kenne ich selbst nur zu gut

wie im Großen so im Kleinen

 

wo ist nur der Weg raus

wo ist nur der Weg raus aus der Grube

 

Die Mondin ist aufgegangen über dem Loch der Grube.

Die schöne Mondenfrau verzaubert mich.

Es kribbelt in meinem ganzen Körper.

EIN Atem fließt von ihr in mich hinein und aus mir in die Erde.

 

Das Licht des Mondes ist eine Reflexion der Sonne, die mein Herz berührt.

Und mein Herz reflektiert das Licht es Mondes, kommend von der Sonne und erleuchtet die Grube.

Sonne & Mond vereinen sich

Sonne & Mond vereinen sich in mir, mit mir

Sonne & Mond vereinen sich in mir mit der Erde

im ALL EINEN Licht in der Grube.

 

Wie konnte ich jemals glauben, ich sei getrennt.

Wie konnte ich jemals glauben, ich kleiner Mensch hätte die Kraft diese mächtige Verbindung aufgrund meines Schmerzes trennen zu können.

 

Mein Herz öffnet sich weiter und immer weiter. Ich spüre wie ich wachse.

 

Ich spüre Angst aufkommen, denn ich betrete neues Terrain, war noch nie zuvor so groß, d.h. habe keine Erinnerung mehr an meine wahre Größe.

Meine Kraft, meine Schönheit entfaltet sich mehr und mehr.

Alle meine Teile, alle Aspekte, von denen ich glaubte, sie erfolgreich von mir abgeschnitten zu haben, erscheinen gleichzeitig aus der Dunkelheit.

 

Wie damals erscheinen sie mir grauenvoll furchteinflössend. Nicht ohne Grund wollte ich sie um alles in der Welt loswerden.

Für einen Moment verliere ich das Licht in mir

die Verbindung zu allem Leben.

Die Mondin scheint heller

hält mich wach, präsent und im Licht.

Die Schatten der Ohnmacht haben keine Chance mehr.

 

Eine riesige Schlange schießt aus meinem Unterleib

mit solch einer Macht, die mich alle Kontrolle über mich aufgeben lässt.

Ich gebe mich der Transformation hin,

denn die Kraft von Sonne& Mond scheinen in meinem Herzen, das geborgen ist im Bauch der Erde, der Grube

 

Ich habe viele Kriege überstanden, die Dunkelheit durchschritten.

Auch wenn mir das noch immer große Angst macht, was hier mit mir geschieht, weiß ich, es dient dem Schritt in eine höhere Ebene, dem Licht entgegen, raus aus der Grube.

Ich wachse, während unglaubliche Energieströme durch mich schießen, durch mich fließen, meinen Körper zucken und vibrieren lassen, ich all meiner Sinne beraubt werde.

Ich weiß nicht, was hier geschieht, doch es dient der Befreiung aus der Grube.

 

Nichts ist wie es einmal war.

 

Denn das alte Spiel hebt sich in die nächste Dimension

transformiert sich zur neuen Form, zu neuen Regeln, höherer Frequenz.

Ich übergebe meinen Körper und lasse es geschehen. Stehe der Schlange nicht im Wege.

 

Erschöpft liegt das Kind in der Grube

herangewachsen zu einem großen, aufrechten Menschen

der seine Arme durch das Loch raus gen Himmel streckt.

Dieser große, schöne Mensch hebt sich empor

aus der Grube heraus

bewegt sich mit der Kraft des Lebens, die ihn durchfließt

denn wahrlich, es ist nichts mehr getrennt von ihr, sie fließt in voller Macht und voller Kraft

 

Neben der Grube sitzend, stellt er fest, dass sich die ganze Welt verändert hat, weil er sich verändert hat

und doch ist sie die Gleiche geblieben.

Die Erde in der alten Dimension, in der Dualität und in der neuen Ebene, der Multidimensionalität

In der Realität der alten und der neuen Wahrnehmung.

Er erkennt eine neue Qualität in seinem SEIN

im SEIN hier mit sich selbst und allen anderen

Verbunden

und im ständigen Vereinen und Loslassen

Friede ist

Friede strahlt aus ihr heraus.

Glückseeligkeit - Satchit Ananda

pure Freude

am reinen SEIN

 

Sonne und Mondin sind gleichzeitig am Himmel zu sehen

stehen sich geradewegs gegenüber.

Ihre Liebe ist spürbar für mich.

Ich bin ihr Kind und das Kind der Erde, das erwachsen geworden ist.

 

Sonne, Mond & Erde erzählen mir von neuen Sein, vom neuen Miteinander auf der Erde.

Denn die Planeten und Monde haben ihre Umlaufbahnen, so wie sie Sonne, die sich mit der Galaxie im Universum bewegt. Auch sie hat, wie alle anderen, ihre eigene Richtung, ihren Weg und erfüllt ihr sein.

Alle sind verbunden miteinander und streben doch in ihre ureigene Richtung, erfüllen ihre Aufgabe im Großen Ganzen.

 

Verbunden

im stetigen Wandel

im Tanz von Nähe und Distanz entstehen stetig andere Räume, andere Qualitäten

wie die Gezeiten, Ebbe und Flut, wie der Wandel zwischen Tag und Nacht.

 

Diesem stetigen Wandel im Verbundenseins der Menschen

liegt nun nicht mehr die Angst sondern die Liebe zugrunde.

Im Wissen der Verbundenheit liegt die neue Freiheit.

Im Wissen um die eigene Verantwortung gegenüber sich selbst und dem Großen Ganzen.

 

 

Das dürfen wir Menschen jetzt lernen

voll und ganz in unserer Kraft, unserer Verantwortung zu leben

unseren Platz im Kosmos und auf der Erde einzunehmen

unsere ureigenen Kräfte und Energie durch uns fließen zu lassen

um so in tiefer Verbindung miteinander ein neues Feld zu schaffen

in der Vereinigung

neue Räume zu kreieren

neue Lebensräume, deren Zentrum der Frieden ist, ein Leben zum Wohle Aller,

Im tiefsten Respekt für alles Leben auf diesem Planeten.

 

Diese zugrunde liegende Verbundenheit findet ihre Basis im Vertrauen, im Zentrum des Herzens eines jeden Einzelnen und im Vertrauen in das Größere.

Dem Wissen, wer du bist und dem Wissen, um die gemeinsame Kreation.

 

Dieses Wissen wurde nun ausgetauscht mit den Fesseln und der gegenseitigen Verzweiflungsfolter der alten Zeit.

 

Der Mensch neben der Grube wird so lange sitzen bleiben, bis er ganz bei sich und dem Universum angekommen ist.

Er wird so lange neben der Grube sitzen bleiben, bis er seinen Platz gefunden und eingenommen hat.

 

Dann wird er raus gehen in die Welt und durch sein bloses Sein, sein bloses verbundensein ein neues Feld erschaffen, ein Feld des Vertrauens, der Liebe, der Schönheit und des Friedens.

 

 

 (c) Sarah Mareike Kirsch

 

 

Lichtspiel- Ensemble

 

Text & Stimme: Sarah Mareike Kirsch

Klangwelten: Sabine Johanna Mader

Farbalchemistin: Martina Höss